Sachkundeprüfung § 34a GewO: Ablauf und Inhalte
Türsteher, Citystreife, Ladendetektiv: Für diese Tätigkeiten verlangt § 34a GewO die IHK-Sachkundeprüfung. Ablauf, Inhalte und Stolpersteine.
Im Bewachungsgewerbe entscheidet die Qualifikation darüber, welche Tätigkeit jemand ausüben darf. Für die konfliktträchtigen Einsätze reicht die einfache Unterrichtung nicht – dort verlangt das Gesetz die Sachkundeprüfung.
Unterrichtung oder Sachkunde: Wo die Grenze verläuft
Die Gewerbeordnung kennt zwei Stufen. Die Unterrichtung umfasst 40 Stunden bei der Industrie- und Handelskammer und endet mit einer Teilnahmebescheinigung, nicht mit einer Prüfung. Sie genügt für Objektschutz, Werkschutz, Revierdienst und Pfortendienst.
Die Sachkundeprüfung nach § 34a Abs. 1a GewO ist dagegen zwingend für:
- Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum und in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr (Citystreife)
- Schutz vor Ladendieben
- Bewachung im Einlassbereich gastgewerblicher Betriebe (Türsteher)
- Bewachung von Aufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete
- leitende Funktionen bei der Bewachung von Großveranstaltungen
Wer eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit oder zur geprüften Schutz- und Sicherheitskraft abgeschlossen hat, braucht die Prüfung nicht – die Ausbildung ersetzt sie.
Ablauf der Prüfung
Die Prüfung besteht aus zwei Teilen und wird von der IHK abgenommen.
Schriftlicher Teil
72 Multiple-Choice-Fragen, 120 Minuten Zeit. Bestanden ist der Teil in der Regel ab 50 Prozent der erreichbaren Punkte. Nur wer den schriftlichen Teil bestanden hat, wird zum mündlichen zugelassen.
Mündlicher Teil
Ein Prüfungsgespräch von etwa 15 Minuten, meist in kleinen Gruppen. Geprüft wird weniger Auswendiggelerntes als die Fähigkeit, eine geschilderte Situation rechtlich einzuordnen: Was dürfen Sie tun, worauf stützt sich das, wo ist die Grenze?
Die sechs Prüfungsgebiete
- Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung – Aufgaben von Polizei und Ordnungsbehörden, Abgrenzung zur privaten Sicherheit
- Gewerberecht – § 34a GewO, Bewachungsverordnung, Bewacherregister, Erlaubnisvoraussetzungen
- Datenschutzrecht – DSGVO, Videoüberwachung, Umgang mit personenbezogenen Daten
- Bürgerliches Gesetzbuch – Besitz, Eigentum, Hausrecht, Selbsthilfe, Schadensersatz
- Straf- und Verfahrensrecht – Notwehr, Nothilfe, vorläufige Festnahme, einschlägige Delikte
- Umgang mit Menschen und Unfallverhütungsvorschriften – Deeskalation, Verhalten in Konfliktlagen, DGUV-Vorschrift 23
Der eigentliche Kern: Sie haben keine Sonderrechte
Wenn ein Thema durchfällt, dann dieses. Prüflinge unterschätzen regelmäßig, wie eng die Befugnisse tatsächlich sind. Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten sind Privatpersonen und stützen sich auf dieselben Rechte wie jeder andere Bürger:
- Notwehr und Nothilfe (§ 32 StGB) – Abwehr eines gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffs
- Vorläufige Festnahme (§ 127 Abs. 1 StPO) – bei Betreffen auf frischer Tat und Fluchtverdacht oder fehlender sofortiger Feststellbarkeit der Identität
- Selbsthilfe (§ 229 BGB) und Besitzwehr (§ 859 BGB)
- Hausrecht (§§ 903, 1004 BGB), ausgeübt in Vertretung des Auftraggebers
Nicht erlaubt ist alles, was darüber hinausgeht: eine Durchsuchung gegen den Willen des Betroffenen, das Einziehen von Ausweisen, das Erzwingen von Personalienangaben. Wer das tut, riskiert eine Strafbarkeit wegen Nötigung, Freiheitsberaubung oder Körperverletzung – und zieht die Haftung des Bewachungsunternehmens nach § 831 BGB nach sich.
In der mündlichen Prüfung läuft fast jede Fallfrage auf diese Unterscheidung hinaus.
Kosten und Anmeldung
Die Prüfungsgebühr der IHK liegt je nach Kammerbezirk üblicherweise zwischen 150 und 250 Euro. Für die Wiederholung nur des mündlichen Teils fällt entsprechend weniger an.
Ein Vorbereitungslehrgang ist freiwillig. Angeboten werden Kurse zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen; die Preise schwanken erheblich. Unter bestimmten Voraussetzungen fördert die Agentur für Arbeit die Vorbereitung über einen Bildungsgutschein.
Hinzu kommen Führungszeugnis und Registerauskünfte für die Zuverlässigkeitsprüfung sowie der Eintrag im Bewacherregister.
Was danach kommt
Die Bescheinigung gilt bundesweit und unbefristet. Sie ist personengebunden – Sie nehmen sie zum nächsten Arbeitgeber mit.
Für die Tätigkeit selbst brauchen Sie zusätzlich den Eintrag im Bewacherregister mit eigener Bewacher-ID. Den beantragt das beschäftigende Unternehmen; ohne ihn dürfen Sie nicht eingesetzt werden.
Die rechtlichen Grundlagen dahinter stehen im Überblick zum Sicherheits- und Bewachungsrecht. Welche Nachweise ein Auftraggeber verlangen sollte, steht unter Sicherheitsdienst in Kassel.
Fragen und Antworten
Häufige Fragen zum Thema
Wie oft darf man die Sachkundeprüfung wiederholen?
Beliebig oft. Es gibt keine gesetzliche Begrenzung der Versuche. Wer den schriftlichen Teil bestanden hat, muss nur den mündlichen wiederholen – der schriftliche Teil bleibt in der Regel für einen begrenzten Zeitraum gültig, die genaue Handhabung regelt die zuständige Kammer.
Gilt die Sachkundeprüfung bundesweit?
Ja. Die Bescheinigung einer Industrie- und Handelskammer gilt in ganz Deutschland und ist unbefristet. Sie ist personengebunden und geht bei einem Arbeitgeberwechsel nicht verloren.
Reicht die Unterrichtung für die Arbeit als Türsteher?
Nein. Die Bewachung im Einlassbereich gastgewerblicher Betriebe zählt zu den Tätigkeiten, für die § 34a Abs. 1a GewO ausdrücklich die Sachkundeprüfung verlangt. Die 40-stündige Unterrichtung genügt dafür nicht.